Dickmacher Kohlenhydrate?

Wir wissen es besser!

Hast du einen dieser Sätze schon einmal gehört?

„Kohlenhydrate machen dick!“
„Wenn du Abnehmen willst, iss einfach keine Kohlenhydrate!“
„Bloß keine Kohlenhydrate nach 18:00 Uhr, die gehen direkt auf die Hüften!?“

Dann bist du nicht alleine!

Nach diesem Artikel weißt du warum du das nicht einfach so glauben solltest.
Aber beginnen wir von vorne. Warum essen wir überhaupt Kohlenhydrate und wo sind sie enthalten?

Generell gilt es zu wissen, Kohlenhydrate sind nicht gleich Kohlenhydrate. Wir unterscheiden grob zwischen einfachen und komplexen Kohlenhydraten.
Wie der Name schon sagt, sind einfache Kohlenhydrate recht einfach gestrickt, sie…
• …bestehen aus kurzen Zuckermolekülketten
• …können vom Körper schnell aufgespalten werden
• …liefern uns schnell Energie
• …sind in Haushaltszucker, Milchzucker oder auch Weißmehl Produkten

Das problematische an dem Ganzen ist, dass wenn wir viel von diesen einfachen Zuckern essen unser Blutzuckerspiegel sehr schnell ansteigt. Unser Körper muss den vielen Zucker dann schnell abtransportieren und der Blutzucker fällt schnell wieder ab, dann werden wir müde, träge und bald mal wieder hungrig.
Und hier beginnt auch das Problem mit dem Zunehmen. Da uns diese einfachen Kohlenhydrate eben nicht lang satt halten, essen wir eventuell mehr davon als wir brauchen. Zudem enthalten sie auch sonst wenig Nährstoffe, wie Vitamine, Mineralien oder Ballaststoffe und wenn wir am Tag mehr Kalorien aufnehmen als wir verbrauchen, nehmen wir eben zu.
Wenn wir uns im Vergleich dazu aber die komplexen Kohlenhydrate anschauen, ergibt sich ein ganz anderes Bild.

Komplexe Kohlenhydrate…
• …bestehen aus langen Zuckerketten
• …müssen erst aufgespaltet werden
• …liefern uns langsamer aber stetig Energie
• …sind enthalten in Vollkornprodukten, stärkehaltigen Produkten wie Kartoffeln, Hülsenfrüchte und in Gemüse

Der Vorteil ist, wie schon erwähnt, dass die komplexen Kohlenhydrate länger aufgespalten werden müssen und der Körper damit eine ganze Weile beschäftigt ist. Dadurch halten sie uns länger satt und lassen unseren Blutzuckerspiegel nur langsam ansteigen. Zusätzlich sind in all diesen Lebensmitteln noch weitere wichtige Inhaltsstoffe, wie Ballaststoffe, Vitamin und Mineralien enthalten.

Wenn wir all das Zusammenfassen heißt das also, dass Kohlenhydrate sehr wichtig für uns sind, sie liefern uns Energie und machen uns leistungsfähig. Sie machen uns nicht per se dick, jedoch können uns zu viel einfache Kohlenhydrate dazu verleiten mehr zu essen als wir sollten und deshalb nehmen wir dann zu. Aber nicht, weil die bösen Kohlenhydrate sich direkt an unsere Hüften anschmiegen. Wir nehmen auch zu wenn wir zu viel Fett oder Protein essen. Kohlenhydrate sind also nicht das BÖSE auch nicht nach 18:00 Uhr. 😉

Warum schwören jetzt aber so viele auf eine Low Carb Ernährung oder die Paleo Diät? Weil unser Körper der Wahnsinn ist und wenn er keine Kohlenhydrate zur Energiegewinnung nutzen kann bedient er sich an den Fetten und Proteinen. Er stellt sich dann einfach um, jedoch ist das sehr Energieaufwändig und viele fühlen sich dann mit so einer Ernährung eher schlapp und ausgelaugt andere wiederum ernähren sich Low Carb und fühlen sich damit sehr gut. [Elmadaf, 2019]

Welche Ernährungsweise für jeden Einzelnen die Richtige ist, ist also nicht so leicht zu sagen, denn jeder Körper und jeder Lebensstil ist sehr individuell und es gibt noch viele Parameter, die überhaupt nicht erforscht und geklärt sind. Eins ist aber klar, wir essen durchschnittlich zu viele einfache, „leere“ Kohlenhydrate und sollten öfter auf Vollkornprodukte und andere komplexe Kohlenhydrate zurückgreifen. [Österreichischer Ernährungsbericht, 2017]

Wer seine Ernährung einmal umstellt, zum Beispiel mehr Vollkornprodukte und komplexe Kohlenhydrate zu sich nimmt, kann mir dann gerne eine Rückmeldung geben wie es ihm/ihr damit ergangen ist. Ich freue mich darauf 🙂

Die Quellen zum Nachlesen:
• Elmadfa I. Ernährungslehre. Utb, 4.Auflage, 2019: Kapitel Makronährstoffe und Energiestoffwechsel
• Österreichischer Ernährungsbericht, 2017. Internet: https://ernaehrungsbericht.univie.ac.at/fileadmin/user_upload/dep_ernaehrung/forschung/ernaehrungsberichte/erna_hrungsbericht2017_web_20171018.pdf (letzter Zugriff: 29.06. 2020)